Hier können die Chroniken rassistischer und rechtsextremer Vorfälle im Landkreis Barnim als pdf heruntergeladen werden:

- Chronik 2017
- Chronik 2015 und 2016

2017

12.02.2017, Bernau
Plakataktion des III. Weges
Die Neonazipartei „Der III. Weg“ plakatiert in Bernau. Die Plakate werden u.a. an die Bahnhofspassage und an die Eingangstür des alternativen Jugendclubs Dosto geklebt. Sie nehmen Bezug zur Bombardierung Dresdens durch die Alliierten während des zweiten Weltkriegs. Dies ist ein bei Neonazis beliebtes Narrativ zur Darstellung Nazi-Deutschlands als angebliches Opfer.
(Quelle: Dosto)

20.02.2017, Bernau
Nazigraffiti
An der Fassade des Fahrstuhlschachtes am Bahnhof werden zwei Hakenkreuze und eine SS-Rune geschmiert, welche die Polizei fotografiert. Der Staatsschutz ermittelt zum Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
(Quelle: Polizeidirektion Ost)

21.02.2017, Bernau
Holzkreuze aufgestellt
An zwei Ortseingangsschildern von Bernau, aus Blumberg und aus Wandlitz kommend, wird jeweils ein weißes Holzkreuz befestigt. Darauf steht „Dresden 45“. Die Polizei stellt die Kreuze sicher und informiert die Stadtverwaltung.
(Quelle: Polizeidirektion Ost)

Anfang März 2017, Eberswalde
Zahlreiche Naziaufkleber
In der Innenstadt Eberswaldes werden zahlreiche Naziaufkleber mit Parolen wie „Ein Herz für Hitler“, „White Power“ oder „Der letzte Flüchtling wird ein Deutscher sein – er wurde von seiner Regierung ausgetauscht“ geklebt. Sie stammen aus dem Neo-Nazi-Versandhandel des in Golzow wohnhaften René Hermann.
(Quelle: Antifaschistische Initiative Eberswalde)

04.04.2017, Bernau
Hakenkreuze geschmiert
Unbekannte Täter beschmierten zwischen dem 31. März und dem 3. April einen Hausflur in der Sachtelebenstraße mit weißer Farbe. Auch vor Fenstern und dem Fahrstuhl machen die Täter nicht Halt. Im Fahrstuhl sind auch zwei Hakenkreuze zu finden. Der Hausmeister zeigt die Schmierereien an und beseitigt die Sachbeschädigungen. Die Kriminalpolizei ermittelt zum Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
(Quelle: https://polizei.brandenburg.de/pressemeldung/hausflur-beschmiert/589684)

05.04.2017, Oderberg
Hakenkreuze geschmiert
Wie der Polizei am 04.04.2017 angezeigt wurde, haben noch Unbekannte auf der B 158, kurz hinter der Ortslage Oderberg, ein Hakenkreuz mit weißer Farbe geschmiert. Betroffen war der Fahrstreifen in Richtung Angermünde. In unmittelbarer Umgebung fand sich noch ein zweites derartiges Nazisymbol. Die Beseitigung der Schmierereien wurde umgehend veranlasst. Der Staatsschutz der Direktion Ost ermittelt nun zu den Tätern.
(Quelle: https://polizei.brandenburg.de/pressemeldung/nazisymbol-geschmiert/590837)

Mitte April 2017, Eberswalde
Naziparolen gerufen
Aus einer Gruppe von ca. 20 jungen Menschen werden gegen 2 Uhr Fußballgesänge und „Sieg Heil!“ gerufen. In der Goethestraße wird die Gruppe von einem Polizeiwagen überholt, der weiterfährt.
(Quelle: Anwohner*in)

25.04.2017, Eberswalde
Naziparolen gerufen
Zwei Männer verabschieden sich gegen 23 Uhr im Ammonpark mit lautem „Sieg Heil!“.
(Quelle: Passant*in)

06.05.2017, Eberswalde
Verbaler und körperlicher Angriff
Ein Mann beschimpft und schlägt die drei vietnamesischen Betroffenen.
(Quelle: Opferperspektive/Polizeimeldung)

06.05.2017, Eberswalde
Verbaler und körperlicher Angriff
Ein 12-jähriger russischer Junge wird rassistisch beschimpft und geschlagen.
(Quelle: Opferperspektive/Polizeimeldung)

14.05.2017, Biesenthal
Rassistische Bedrohung
Ein junger Mann beschimpft eine Schwarze Person und fährt mit seinem Fahrrad über dessen Fuß. Er macht eine Handbewegung, die Halsdurchschneiden symbolisiert und sagt „Ich finde dich!“ und „Ich bring‘ dich um!“.
(Quelle: Freund*in der betroffenen Person)

Mitte Mai, Eberswalde
Rassismus (nicht nur) im Bus
Ein ehemaliger Vertragsarbeiter aus Angola, der seit 30 Jahren hier lebt, fährt gegen 13.30 Uhr mit dem Bus von der Station Eisenspalterei ins Zentrum der Stadt zur Station Am Markt.
Als er dort am Kreishaus aussteigen möchte, betätigt er wie üblich den Signalknopf, der dem Busfahrer anzeigt, dass Fahrgäste aussteigen wollen. An der Haltestelle angekommen, öffnet sich vorn die Tür für Andere, die aussteigen wollen, aber nicht die Tür in der Mitte für den Mann mit dunklerer Haut. Er und andere Fahrgäste, die das bemerkten rufen dem Busfahrer zu: „Bitte die Tür öffnen!“ Aber der Fahrer reagiert nicht. Als der Schwarze Mann nach vorn geht und den Busfahrer fragt, warum er nicht öffnet, antwortet dieser nicht, er wendet seinen Kopf nach links und blickt demonstrativ aus dem Fenster.
Empört geht der Mann nun sofort in das Büro der Barnimer Busgesellschaft, das sich direkt an der Bushaltestelle befindet und erzählt diesen Vorfall einer dort sitzenden Mitarbeiterin. Die Frau notiert sich nicht etwa Zeit, Buslinie und Aussehen des Busfahrers, sondern sagt zu dem sich Beschwerenden schulterzuckend: „Ihr seid einfach zu viele.“ Darauf fragt er zurück: „Wie meinen Sie das, wie soll ich das verstehen?“ Bevor sie antworten kann, sagte ein zweiter Kollege zu ihr: „Lass mal, der gehört nicht zu denen.“
Auf seine Frage: „Was wollen Sie damit sagen?“, äußern beide nur noch: „Dazu sagen wir nichts mehr.“
(Quelle: Eigener Bericht)

Kommentar: Diese Übergriffe sind gemein und auch feige. Denn bei einer Beschwerde oder Anzeige würde der Busfahrer sicherlich von „Zufall“ und „keine Absicht“ sprechen und die Mitarbeiterin und der Mitarbeiter würden sich gegenseitig entlasten, weil sie „so etwas“ nie sagen oder auch nur denken würden…

26.05.2017, Eberswalde
Körperlicher Angriff
Ein Mann, der am gleichen Tag bereits in Angermünde ein syrisches Ehepaar aus rassistischen Motiven geschlagen hatte, greift im Zug ein serbisches Paar an. Er wird am Bahnhof Eberswalde von der Polizei festgestellt.
(Quelle: Opferperspektive/Polizeimeldung)

Juli 2017, Wandlitz OT Schönerlinde
Im Zug rassistisch beschimpft
Eine weiße Frau (ca. 45 J.) fährt morgens im Berufsverkehr von Wandlitz mit der „Heidekrautbahn“ nach Berlin-Karow. Im Zug kommt sie mit zwei Schwarzen Menschen ins Gespräch und zeigte ihnen auf dem Smartphone den Weg zu einer Adresse in Berlin. Als der Zug in Schönerlinde hält, sagt im Vorbeigehen eine andere weiße Frau (ca. 40 J.) vorwurfsvoll zu der Frau mit dem Smartphone: „Niggerfreundin!“ und stieg aus. Die beschimpfte Frau und die beiden Schwarzen sind durch diese direkte Aggression zunächst sprachlos.
(Quelle: Eigener Bericht )

03.07.2017, Eberswalde
Körperlicher Angriff
Ein 36-jähriger Kameruner wird rassistisch beschimpft. Der Täter versucht ihn zu schlagen. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, also mutmaßlich mit einem Gegenstand/einer Waffe.
(Quelle: Opferperspektive/Polizeimeldung)

14.07.2017, Eberswalde
Hakenkreuze gesprüht
Zwei Hakenkreuze befanden sich am Morgen des 14. Juli an der Giebelseite eines Mehrfamilienhauses in der Oderbruchstraße. An einer Bushaltestelle in der Potsdamer Allee waren acht Hakenkreuze und an einem Verkaufspavillon ein weiteres aufgesprüht. Die jeweiligen Hausmeister beseitigten die Schmierereien, nachdem die Polizei sie fotografiert hatte. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen zur Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgenommen.
(Quelle: https://polizei.brandenburg.de/pressemeldung/gruene-hakenkreuze-im-brandenburgischen-/691496)

15.07.2017, Bernau
AfD–Kundgebung
Eine Kundgebung unter dem Motto „Der Islam als Gefahr für unsere deutsche Kultur“ veranstaltete die AfD Bernau in der Innenstadt. Einladende waren Andreas Schuffenhauer, AfD-Kandidat zur Bundestagswahl und der AfD Ortsvorstand Bernau.
An der Kundgebung, die von etwa hundert Polizist_innen mit zahlreichen Autos und Absperrgittern geschützt wurde, nahmen ca. 40 Menschen teil, darunter Aktivisten der NPD.
Trotz schlechter Lautsprecheranlage war immer wieder der rechtspopulistische „Kernsatz“ aller Redner zu hören: Der Islam gehört nicht zu Deutschland, wir wollen keine „Moschee“ in Bernau!
Einer der zwei Vorsitzenden des Ortsverbandes Bernau, Klaus-Peter Kulack, eröffnete die Kundgebung. Es sprachen die AfD-Kandidaten zur Bundestagswahl Andreas Schuffenhauer aus dem Wahlkreis 59 und Steffen John für den Wahlkreis 57. Der Bürgermeister-Kandidat für Bad Freienwalde, Lars Günther und Steffen Kotré von der Landesliste folgten.

Das Netzwerk für Weltoffenheit Bernau hat sich am Samstag zeitgleich zur Eröffnung der AfD/NPD Kundgebung breit gegen Rechtspopulismus und Angstmacherei positioniert. Etwa 50 Personen schlossen sich der Aktion des Netzwerkes an und zeigten der AfD die „Rote Karte gegen Rechtspopulismus“. Vom Netzwerk heißt es dazu: „Der Anteil der Muslime in Brandenburg ist sehr gering, aber die Ängste besonders groß. Die meisten Menschen kennen keine Muslime näher und haben generell wenig Berührungspunkte mit Religionen. Aber klar ist: Es gibt weder DEN Islam noch DAS Christentum noch DEN Atheismus oder DIE Fahrradfahrer. Menschen pauschal einer Gruppe zuzuordnen und sie deshalb abzuwerten und zu diskriminieren ist keine Lösung bzw. Hilfe, um mit Ängsten oder Unsicherheiten umzugehen.“
(Quelle: Eigener Bericht und
https://bernau-live.de/bernau-afd-kundgebung-sorgte-fuer-eine-innenstadt-voller-polizei/ )

15.08.2017, Eberswalde
AfD-Kundgebung
Bei einer AfD-Kundgebung auf dem Markt von Eberswalde hetzt unter anderem der Barnimer AfD-Vorsitzende Klaus-Peter Kulack gegen „den Islam“, gegen die Gegendemonstrierenden („Wir alle zahlen Steuern, die nicht!“) und gegen Menschen mit Migrationsgeschichte. Unter anderem fordert er Ayman Mazyek, den Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime auf seinen Namen „einzudeutschen“. Die türkische Gemeinde in Deutschland solle „froh sein, dass wir noch ein Plätzchen für sie haben“. Dann: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland! Und schreit nicht nach Religionsfreiheit!“
Er beendet seine Rede mit „Wir sind die Herren im Hause und nicht irgendwelche Fremdlinge mit unaussprechlichen Namen! Holt euch euer Land zurück! Ich füge an: bevor es zu spät ist.“
Auch die übrigen Redner verwenden das übliche, rechte AFD-Vokabular: Geflüchtete Menschen werden dort wahlweise zu „Invasionstruppen“ (Siegfried Däbritz) oder dem „Wahnsinn der unser Land überflutet“ (Lars Günther), die Gegendemonstrant*innen sind „rotlackierte Linksfaschisten“ (Andreas Kalbitz) und nach Andreas Schuffenhauer ist Eberswalde bald keine deutsche Stadt mehr.
Herr Kulack unterrichtete vor seiner Pensionierung jahrzehntelang als Deutsch- und Musiklehrer am Bernauer Paulus Praetorius Gymnasium, einer Schule, die den Titel „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ trägt.
Eine ehemalige Schülerin war über diesen Hass so erschüttert, dass sie ihrem einstigen Lehrer einen Offenen Brief schrieb. Nachzulesen auf www.change.org unter dem Titel „Offener Brief zur Rede von Klaus-Peter Kulack (AfD Barnim)“:
Die AfD-Kundgebung war ursprünglich als Demonstration angemeldet. Zu einem Demonstrationszug kam es jedoch nicht, vermutlich da das Interesse an der Kundgebung mit ca. 100 TeilnehmerInnen hinter den Erwartungen geblieben war und kreative Aktionen der ca. 250 Gegendemonstrant*innen einen Demozug erschwert hätten.
(Quelle: eigener Bericht und Antifaschistische Initiative Eberswalde)

21.08.2017, Bernau
Hakenkreuzschmierereien
In der Zeit vom 18. bis 20.08.2017 haben Unbekannte das sowjetische Ehrenmal in der Mühlenstraße mit einem Hakenkreuz und dem Schriftzug „88“ über eine Größe von 40 mal 150 cm mit grauer Farbe beschmiert. An in der Nähe befindlichen Parkbänken und Papierkörbe fanden sich ebenfalls Schmierereien mit Hakenkreuzen und Zahlen.  Der Schaden konnte noch nicht beziffert werden.
(Quelle: Polizeibericht, https://polizei.brandenburg.de/pressemeldung/sowjetisches-ehrenmal-beschmiert/734834 )

01.09.2017, Eberswalde
Nazi provoziert bei Kundgebung
Zur Kundgebung am Weltfriedenstag* versammeln sich auf dem Markt Friedensbewegte, darunter Menschen, die vor dem Krieg und dem Kriegsdienst in verschiedenen Ländern geflohen waren. Während der Veranstaltung provoziert ein Nazi die dort Versammelten mit der sichtbar zur Schau getragenen Aufschrift seines T-Shirts: „Ruhm und Ehre der deutschen Wehrmacht“. Er wollte also mitten in der Kundgebung für Frieden Angehörige von Hitlers Angriffsarmee ehren.
Als Teilnehmende der Kundgebung ihn zunächst bitten und dann auffordern, die Kundgebung zu verlassen, weil dies der falsche Platz für seine Provokation und Störung sei, diskutiert er aggressiv und bleibt stehen. Erst nach Einschalten der Polizei verlässt er den Platz.
Der Neonazi ist sehr häufig im oder vor dem Altstadtcafé anzutreffen, und vermutlich dessen Betreiber oder Angestellter.

*Mit dem Überfall auf Polen begann am 01.09.1939 der 2. Weltkrieg, durch den über 55 Millionen Menschen starben.
(Quelle: Eigener Bericht)

07.09.2017, Bernau
Bedrohung
Als ein 17-jähriger in Bernau zum Wahlkampf Plakate für DIE LINKE aufhängt, wird er von drei männlichen Personen verbal angegriffen. Anschließend versuchen sie, ihn vom Fahrrad zu stoßen und verfolgen ihn. Der Betroffene sucht Zuflucht im Parteibüro der LINKEN, wo zu dem Zeitpunkt mehrere Personen anwesend sind. Die drei Verfolger schlagen gegen die Glaseingangstür und drücken sie den gegen Widerstand von Innen gewaltsam auf. Auf den Treppenstufen im Türeingangsbereich stoßen sie wüste antisemitische Beschimpfungen sowie Gewalt- und Mordandrohungen gegen den jungen Mann aus: „Du Jude, wenn wir dich kriegen, häuten wir dich.“ „Wenn wir dich kriegen, köpfen wir dich, du linke Sau!“ „Du rote Zecke, sieh dich vor, wenn wir dich erwischen.“
Nachdem die Personen in der Geschäftsstelle ankündigen, die Polizei zu rufen, verlassen die die drei jungen Männer (vermutliches Alter 17 – 21 Jahre) die Geschäftsstelle. Strafanzeige wurde gestellt.
(Quelle: Eigener Bericht, MOZ (Barnim Echo, Bernauer Ausgabe) vom 20.09.17 )
Anmerkung: Ein erster Prozess gegen die Täter am Amtsgericht Bernau im Frühjahr 2018 musste vertagt werden. Der Angegriffene war zum Tatzeitpunkt nicht 17 sondern 15 J. alt.

08.10.2017, Eberswalde
Körperlicher Angriff
In einem Bus der Linie 861 bedroht ein Mann zwei Männer aus Syrien und Somalia mit einem Klappmesser und beleidigt diese rassistisch. Eine Zeugin schreitet ein.
(Quelle: Opferperspektive/Polizeimeldung)

10.10.2017, Eberswalde
Racial Profiling
Am Dienstag, den 10.10.2017, gegen 10 Uhr werden zwei somalische Männer mit dunkler Hautfarbe am Bahnhof Eberswalde auf dem Bahnsteig von zwei Polizist*innen ohne ersichtlichen Anlass kontrolliert. Neben ihnen laufende weiße Menschen werden nicht kontrolliert.
Die beiden Betroffenen werden von den Polizist*innen unfreundlich, herablassend und aggressiv behandelt. Sie müssen sich ausweisen, werden abgetastet, ihre Taschen und Rucksäcke werden durchsucht und sie werden mit einer Videokamera gefilmt. Als die Betroffenen nach dem Grund für die Kontrollen fragen, geben die Polizist*innen keine Antwort.
Mit „Racial Profiling“ wird die Methode bezeichnet, das Erscheinungsbild – also etwa Hautfarbe oder Gesichtszüge – einer Person als Entscheidungsgrundlage für polizeiliche Maßnahmen wie Personenkontrollen, Ermittlungen und Überwachungen heranzuziehen. Rechtlich dürfen Verdachtsmomente nur auf das Verhalten von Personen und auf objektive Beweise, nicht aber auf ihr Erscheinungsbild gestützt werden. Im Jahr 2012 stufte das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz „Racial Profiling“ als illegal ein, weil es gegen das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes verstoße.
Die „Initiative Barnim für alle“ fordert die Polizei auf, die diskriminierende Methode des „Racial Profiling“ in Zukunft nicht mehr anzuwenden. Außerdem sollte sich die Polizeileitung bei den Betroffenen für die erniedrigende Behandlung entschuldigen.
(Quelle: Barnim für Alle)

17.11.2017, Bernau
Im Bus nicht mitgenommen
Ein Mann mit dunkler Hautfarbe steigt in einen Bus der Linie 891. Als er beim Einsteigen seine Fahrkarte vorzeigt, wie alle anderen Fahrgäste vor ihm, scheint der Busfahrer die Fahrkarte näher prüfen zu wollen. Er reibt am Hologramm und wiederholt immer wieder das Wort „Fälschung!“. Anschließend deutet er an, das Ticket zu zerreißen und verwehrt die Mitnahme. Daraufhin holt die betroffene Person einen (weißen) Freund zu Hilfe. Beide steigen zwei Stunden später erneut in einen Bus und zeigen den Fahrschein vor. Dieser Busfahrer kann nicht nachvollziehen, welches Problem sein Kollege mit dem Fahrschein hatte, und lässt die Person mitfahren.
Die Barnimer Busgesellschaft weist einen rassistischen Hintergrund zurück. Vielmehr habe der Fahrer das Kaufdatum des Tickets mit dem Fahrdatum verwechselt: „Ein Fehler, der jedem passieren kann.“
(Quelle: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/1619661/ )

Dezember 2017, Bernau
Bedrohung
Ein junger Schwarzer Mann wird am Bahnhof beleidigt und bedroht. Ein ihm unbekannter Mann schaute ihn böse an und zeigt ihm plötzlich den Mittelfinger. Der Betroffene erwidert den Mittelfinger. Daraufhin formt der Weiße mit der Hand eine Waffe und tut so, als würde er ihn erschießen.
(Quelle: Eigener Bericht)

2016

16.12.2016, Eberswalde
Gröhlende Nazi-Fußballfans
Gegen 22 Uhr steigen ca. 10 männliche, vermutlich betrunkene, z.T. aggressive Fußballfans in einen Bus des Ersatzverkehrs von Berlin nach Eberswalde. Während der Fahrt beleidigen und bedrohen sie den Busfahrer und Reisende. Später singen sie Rechtsrocklieder wie „Danzig, Breslau und Stettin – deutsche Städte wie Berlin“. Sie verlassen den Bus am Eberswalder Hauptbahnhof und rufen auf der Eisenbahnbrücke mehrmals „Scheiß Asylanten!“ und „Sieg Heil!“
(Quelle: Antifaschistische Initiative Eberswalde)

05.12.2016, Bernau
Naziparolen gerufen
In der Fritz-Heckert-Straße skandieren mehrere Personen Naziparolen. Die alarmierte Polizei trifft vor Ort auf elf Personen im Alter von 17 bis 24 Jahren. Gegen sie wird wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt.
(Quelle: MOZ, 7.12.16, Polizeibericht: https://polizei.brandenburg.de/pressemeldung/naziparolen-skandiert/473027)

23.10.2016, Eberswalde
Naziparolen gesprüht
In der Eisenbahnstraße wird an verschiedene Fassaden dreimal „SS“ sowie ein Hakenkreuz gesprüht.
(Quelle: Antifaschistische Initiative Eberswalde)

02.10.2016, Biesenthal
Nazischmierereien
Am Eingang eines alternativen Wohnprojektes finden sich mehrere Schmierereien mit Nazisymbolik. Die Tat wurde angezeigt.
(Quelle: Eigener Bericht.)

09.09.2016, Bernau
Thilo Sarrazin mit „Wunschdenken“ in Bernau
2013 rügte der UN-Ausschuss gegen Rassismus (CERD) Deutschland wegen unzureichenden Schutzes seiner Bürger*innen vor rassistischen Äußerungen, weil solche von Thilo Sarrazin juristisch folgenlos blieben. Sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ verkaufte sich ab 2010 prima, heizte Vorurteile, Pauschalurteile und schlechte Stimmung an. Eine gute Vorbereitung für „Pegida“, „AfD“, für die Zunahme von Hetze, Hass und Gewalt gegen Migrantinnen und Migranten. Dafür lobten ihn Rechtsextreme und Rechtspopulisten immer wieder. Am 9.9.16 las er in der Bernauer Stadthalle bei 17,80 € Eintritt aus seinem Buch „Wunschdenken“. Dagegen protestierte das Bernauer Netzwerk für Weltoffenheit unter dem Motto „Schöner leben ohne Sarrazin“ mit einer kostenlosen Lesung unter freiem Himmel, bei der Kinder, Jugendliche und Erwachsene geistreiche Texte für Demokratie und Menschenrechte lasen.
(Quelle: Eigener Bericht.)

21.09.2016, Eberswalde
AfD-Vorsitzende spricht von „illegaler Migrationswelle großen Ausmaßes“
Vor mehreren hundert Menschen in der Hufeisenfabrik spricht die AfD-Vorsitzende Frauke Petry zu der aus Sicht ihrer Partei „verantwortungslosen Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel“ und von einer „illegalen Migrationswelle großen Ausmaßes“.
(Quelle: Märkische Oderzeitung/Barnim Echo 23.09.16)

(Draußen protestierten etwa 250 überwiegend junge Menschen gegen Petrys Auftritt. Mehrere von ihnen wurden vorher nicht zu der angeblich öffentlichen AfD-Veranstaltung eingelassen, weil sie wie „Studenten oder Abiturienten“ aussahen und „bestimmt gegen uns sind.“)

10.09.2016, Bernau
Körperverletzung
Eine Auseinandersetzung zwischen zwei Männern und einer Gruppe Jugendlicher – nach unbestätigten Informationen soll es sich dabei um „Ausländer“ gehandelt haben – gab es am Sonnabend gegen 2.40 Uhr im Stadtpark. Dabei wurden ein 18- und ein 28-Jähriger leicht verletzt. Später trafen einige der Beteiligten nochmal am Bahnhof aufeinander. Die Polizei ermittelt zum Verdacht der gefährlichen Körperverletzung.
(Quelle: MOZ Barnim Echo nach Polizeibericht vom 12.09.2016)

(Die Polizei ermittelt seit dem 10.09.2016 zum Verdacht der gefährlichen Körperverletzung.
Nach ersten Erkenntnissen waren gegen 02:40 Uhr im Stadtpark zwei 18- bzw. 28 Jahre alte Männer auf eine Gruppe Jugendlicher getroffen. In der Folge kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung, welche in Tätlichkeiten überging. Die beiden jungen Männer erlitten bei dem Geschehen leichte Verletzungen. Mitarbeiter eines Wachschutzunternehmens konnten die Lage beruhigen.
Stunden später stießen einige der Beteiligten am Bahnhof erneut aufeinander. Wieder kam es zu einer Auseinandersetzung, diesmal jedoch ohne Verletzte.)

23.08.2016, Werneuchen
Körperverletzung
Am Nachmittag des 23.08. wird ein 17-jähriger Asylbewerber im Stadtpark von einem 25-jährigem Mann mit Beleidigungen attackiert. Daraus entwickelte sich ein zunächst verbaler Streit, welcher in der Folge auch zu körperlichen Auseinandersetzungen führte. Dabei setzte der Angreifer Reizgas ein. Der junge Mann erlitt dadurch Reizungen der Augen und musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei der Direktion Ost zum genauen Hergang der Ereignisse. Die Untersuchungen erfolgen zum Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung, dem Verstoß gegen das Waffengesetz und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
(Quelle: Polizeibericht / https://polizei.brandenburg.de/pressemeldung/jetzt-ermittelt-die-kriminalpolizei/365919)

08.08.2016, Berlin-Buch (direkt angrenzend zum Landkreis Barnim)
Brandanschlag auf Unterkunft
Brand in zwei Containern einer Flüchtlingsunterkunft, gegen die die NPD schon im Vorfeld monatelang „Nein-zum-Heim“-Kundgebungen veranstaltet hatte. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Sechs Bewohner erlitten bei dem Feuer am Montagmorgen Rauchgasvergiftungen und mussten vor Ort behandelt werden. Der Staatsschutz ermittelt. Die 170 betroffenen Bewohner der Container müssen in anderen Unterkünften untergebracht werden.
Besondere Empörung rief die anschließende Plakatierung mit flüchtlingsfeindlichen NPD-Plakaten in der Nähe der attackierten Unterkunft hervor.
(Quelle: MOZ 09.+10.08.16)

27.07.2016, Bernau
Körperverletzung
Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage mit dem Titel “Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte” geht hervor, dass die zuständige Polizeidirektion wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt und diesen Vorfall als “politisch motivierte Kriminalität – rechts” einordnet. Wie viele Verletzte es gab, ist den Angaben nicht zu entnehmen.
(Quelle: Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag, Drucksache 18/10213)

24.07.2016, Eberswalde
Rassistische Parolen gerufen
Gegen 4 Uhr zünden 4-5 Männer einen Böller im Ammonpark und skandieren mehrmals „Ausländer raus!“
(Quelle: Antifaschistische Initiative Eberswalde)
20.07.2016, Lichterfelde OT Buckow
Parolen in der Nähe einer Unterkunft gesprüht
Unbekannte sprühen mehrmals „Refugees not Welcome“ auf einen Gehweg, in ca. 100 Metern Entfernung zum Buckower Asylbewerberheim.
(Quelle Polizeibericht / MOZ 22.07.16)

16.07.2016, Bernau
Sonstiger Vorfall
Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage mit dem Titel “Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte” geht hervor, dass die zuständige Polizeidirektion wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt und diesen Vorfall als “politisch motivierte Kriminalität – rechts” einordnet.
(Quelle: Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag, Drucksache 18/10213)

02.07.2016, Eberswalde
Naziparolen gerufen
Nach dem EM-Fußballspiel grölen 3 Männer auf dem Karl-Marx-Platz mehrmals „Sieg Heil“.
(Quelle: Antifaschistische Initiative Eberswalde)

Mai/Juni 2016, Eberswalde
Rassistische Kontrollen an der Kasse
Ende Mai und im Juni 2016 mehrfach erlebt: Eine Verkäuferin an einer Kasse bei Aldi in Eberswalde kontrolliert auffällig oft nichtweiße Kunden, ob sie außer den Artikeln auf dem Band noch etwas in der Tasche oder im Rucksack versteckt hätten.

Welche Wirkung hat diese Sonderbehandlung auf Kinder und auf andere Kunden? Die Verdächtigung ist willkürlich und durch die Auswahl rassistisch. Von dem so nicht direkt ausgesprochenen Verdacht bleibt etwas hängen (ohne Grund wird die Kassiererin doch nicht kontrollieren, bestimmt stehlen „die“ hier öfter …). Fördert oder stört so ein Verhalten das Zusammenleben? Statistisch betrachtet stehlen Arme häufiger als Reiche, aber nicht Nichtweiße mehr als Weiße.
(Quelle: Eigener Bericht)

30.05.2016, Bernau
Beleidigung und Bedrohung
Ein 58-jähriger sudanesischer Staatsbürger wird vor einer Sparkassen-Filiale an der Merkurstraße rassistisch beleidigt und bedroht. Als Tatverdächtigen konnten alarmierte Beamte einen 37-jährigen vorläufig festnehmen.Es folgte eine Anzeige wegen Bedrohung und Beleidigung. Nach Angaben des Polizeisprechers wurde im Blut des Mannes ein Alkoholgehalt von 3,29 Promille festgestellt. Der Tatverdächtige ist darüber hinaus wegen anderer Delikte bereits polizeibekannt.
(Quelle: Märkische Oderzeitung, 01.06.2016)
21.05.2016, Bernau/Eberswalde/Wandlitz
NPD – Kundgebungen
Die NPD Barnim-Uckermark macht eine Kundgebungsfahrt durch Bernau, Eberswalde und Wandlitz.
(Quelle: Antifaschistische Initiative Eberswalde)

15.05.2016, Eberswalde
Angriff auf Unterkunft
Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Partei Die Linke geht hervor, dass die zuständige Polizeidirektion wegen Sachbeschädigung an einer Asylunterkunft ermittelt und diesen Vorfall als “politisch motivierte Kriminalität – rechts” einordnet.
(Quelle: Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag, Drucksache 18/10213)

Mitte Mai 2016, Eberswalde
Naziparolen gesprüht
Am Stadtcampus der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) wird ein Hakenkreuz gesprüht.
(Quelle: Antifaschistische Initiative Eberswalde)

05.05.2016, Joachimsthal
Vandalismus gegen Willkommenskultur
Die Aktion „BAFF – Bands auf festen Füßen“ der evangelischen Kirchengemeinde Joachimsthal pflanzte passend zu ihrem Jahresmotto „Wir sind bunt“ gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen der geflüchteten Familien des Ortes ein buntes Blumenbeet vor der Kirche. Das Beet wird in der Nacht von Christi Himmelfahrt vermutlich von alkoholisierten Jugendlichen aus dem Ort und aus der Region beschädigt: Pflanzen werden ausgerissen, in die nahestehende Hecke geworfen oder verbrannt. Außerdem wird menschlicher Kot vor der Kirchentür hinterlassen und diese mit kotverschmierten Taschentüchern beklebt. Die vor der Tür bereit stehenden Tische und Stühle für Radfahrende werden gestohlen und ebenfalls verbrannt.
(Quelle: Eigener Bericht)

22.04.2016, Bernau
Angriff auf Unterkunft
Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Partei Die Linke mit dem Titel „Proteste gegen und Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte“ geht hervor, dass die Polizei wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt und diesen Vorfall als “politisch motivierte Kriminalität – rechts” einordnet.
(Quelle: Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag, Drucksache 18/9324)

17.04.2016, Eberswalde
Naziparolen gesprüht
Zwei Männer und eine Frau schmieren mehrere Hakenkreuze auf die Fahrbahn an der Kreuzung Breite Straße/Friedrich-Ebert-Straße sowie an das Gebäude des dortigen Telekom Shops. Die Polizei stellen die rechtsextremen Symbole am frühen Sonntagmorgen fest und greift die Täter/innen in Tatortnähe auf. Die 26- und 27-jährigen Männer seien polizeilich einschlägig bekannt, steht im Bericht. Gegen das Trio ist ein Strafverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet worden.
(Quelle: Märkische Oderzeitung 18.4.2016)

16.04.2016, Bernau/Wandlitz/Rüdnitz/Klosterfelde/Ützdorf
NPD – Kundgebung
Der NPD Kreisverband Barnim-Uckermark absolviert eine „Überfremdungs“-Kundgebungsfahrt mit einem NPD-LKW zu Städten in denen neue Unterkünfte geplant sind.
(Quelle: Antifaschistische Initiative Eberswalde)

06.04.2016, Bernau
Bedrohung durch Postkartenaktion
Die Nazi-Kleinpartei „Der III. Weg“ verteilt personalisierte Postkarten an Menschen, die in der Arbeit mit Geflüchteten aktiv sind. Die Postkarten fordern „Alle Unterstützer der volksfeindlichen Politik (…), die einen systematischen Austausch unseres Volkes mit art- und kulturfremden Ausländern vorantreiben“ zur Ausreise auf.
(Quelle: Willkommensintiativen)

05.04.2016, Eberswalde
Angriff auf Unterkunft
Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Partei Die Linke mit dem Titel „Proteste gegen und Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte“ geht hervor, dass die Polizei wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt und diesen Vorfall als “politisch motivierte Kriminalität – rechts” einordnet.
(Quelle: Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag, Drucksache 18/9324)

04.04.2016, Eberswalde
Antisemitische Graffiti an Denkmal
Das Denkmal für die 1938 zerstörte Eberswalder Synagoge wird mit antisemitischen Graffiti „Juden ab in die Negev“ und „SS“ besprüht.
(Quelle: Märkische Oderzeitung, 6.4.2016)

06.03.2016, Schorfheide OT Groß Schönebeck
Rassistische Beleidigungen
Zwei dunkelhäutige Fußballer vom FSV Lok Eberswalde II werden im Auswärtsspiel beim FSV Groß Schönebeck von drei Zuschauern rassistisch beleidigt. Später gibt es Rangeleien mit Ordnern. Die Partie steht deshalb zweimal kurz vor dem Abbruch.
Der Staatsschutz machte kurze Zeit später zwei der Pöbler (30 und 59 J.) ausfindig. Gegen sie wird nun ein Verfahren wegen Beleidigung mit fremdenfeindlichem Hintergrund eingeleitet.
(Quelle: Märkische Oderzeitung, 8. und 10.03.2016)

2016: Aktivitäten der AfD im Barnim

Im Barnim gibt es im Jahr 2016 die Ortsverbände Panketal, Werneuchen, Bernau und Eberswalde. In der Öffentlichkeit treten sie fast ausschließlich über Stammtische oder „Bürgerdialoge“ auf. Am aktivsten ist in dieser Hinsicht der Ortsverband Panketal., welcher regelmäßig zum „politischen Stammtisch“ einlädt. In Werneuchen finden ebenfalls regelmäßige Stammtische statt. Neben lokalpolitischen Themen wie der Kreisgebietsreform wird auch diskutiert „Warum der Islam nicht zu Deutschland gehört“ und „Braucht Panketal eine Bürgerwehr?“. Die Ortsverbände Eberswalde und Bernau, gegründet im Juni bzw. September 2016, waren bislang wenig aktiv.

2015

22.12.2015, Barnim / Panketal
Sonstiger Vorfall
Der NPD-Abgeordnete im Kreistag Barnim, Marcel Z. (27) wurde wegen öffentlichen Tragens eines Nazi-Tattoos in einem Schwimmbad zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Das zur Schau getragene großflächige Tattoo auf seinem Rücken zeigt stilisiert das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, darunter in gotischer Schrift: „Jedem das Seine“. Der Spruch stand am Haupttor des KZ Buchenwald.
Gegen das Urteil legten die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte Berufung ein.
(Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-12/urteil-tattoo-neonazi-erlebnisbad-oranienburg, http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2016/08/kz-tattoo-erneut-vor-gericht.html)

17.10.2015, Biesenthal
Schmierereien und Bedrohung
Nachdem eine Zeugin am 17.10.2015, gegen 20:20 Uhr, bemerkt hatte, wie ein bis dahin Unbekannter an eine Hauswand in der Breiten Straße Farbschmierereien mit Schmähungen gegen die Bundeskanzlerin anbrachte, sprach sie den Mann an. Daraufhin bedrohte er sie verbal und trieb die Frau in die Flucht. Dann stieg er in einen PKW und fuhr davon.
Auf Grund der guten Beschreibung von ihm und seinem Fahrzeug konnte die Polizei wenig später einen 33-jährigen Tatverdächtigen ausmachen. Er erhielt Anzeigen wegen Sachbeschädigung und Bedrohung.
(Quelle: http://www.internetwache.brandenburg.de/sixcms/detail.php?id=12763242)

27.09.2015, Joachimsthal
Plakate angebracht
An der L23, zwischen Joachimsthal und Friedrichswalde, werden mehrere Plakate und eine Holztafel mit Beleidigungen gegen die deutsche Bundeskanzlerin angebracht. Darin beziehen sich die Täter auf die Debatte um die Aufnahme von Flüchtlingen. Der Staatsschutz ermittelt nun wegen Verunglimpfung von Verfassungsorganen.
(Quelle: Polizeibericht vom 28.09.15)

20.09.2015, Lichterfelde
Bedrohung
Zwei Asylbewerber aus Eritrea sind gegen 17 Uhr von einem Unbekannten beschimpft, beleidigt und mit einem Messer bedroht worden. Wie die Polizei am Montag mitteilte, waren die beiden 25 und 27 Jahre alten Männer mit Fahrrädern auf dem Radweg zwischen Buckow und Lichterfelde unterwegs, als sich ihnen ein Quadfahrer näherte und auf sie zufuhr. Nach seiner Verbalattacke verschwand der Täter.
(Märkische Oderzeitung, Barnim Echo, 22.09.15)

16.07.2015 Bernau OT Schönow und OT Ladeburg:
Naziparolen gesprüht
Unbekannte beschmieren Spielplätze mit Hakenkreuzen und NS-verherrlichenden Schriftzügen.
(Quelle: Märkische Oderzeitung/Barnim Echo, 18.07.2016)

08.06.2015, Eberswalde
Beleidigung
Ein Mitarbeiter des Bürgerbüros der Partei Bündnis 90/ Die Grünen wird von einem Neonazi beleidigt und beschimpft.
(Quelle: Bündnis 90/ Die Grünen)

03.06.2015, Bernau
Sonstiger Vorfall
Seit heute müssen sich zwei Barnimer Rechte vor dem Bernauer Amtsgericht wegen Körperverletzung, Amtsanmaßung und Unterschlagung verantworten. Darunter auch ein Mann, der für die NPD im Kreistag sitzt. Eine Gruppe von Jugendlichen hatte während des letzten Kommunalwahlkampfes NPD-Plakate abgerissen und war dabei von fünf bis sechs Nazis beobachtet und „zur Rede gestellt“ worden. Die Männer sollen alle Kapuzen-Sweatshirts der braunen Bruderschaft „Barnimer Freundschaft“ getragen haben. Zudem hatte sich einer der Neonazis als Polizeibeamter ausgegeben und ein anderer hatte einen der Jugendlichen geschlagen.
(Quelle: gegenrede.info)

Anfang Juni 2015, Eberswalde
Vandalismus gegen Willkommenskultur
Unbekannte zerstörten in der Eisenbahnstraße und am Bahnhof mehrere Plakate zur Film- und Diskussionsveranstaltung „Willkommen auf Deutsch“.
(Quelle: Bündnis 90/ Die Grünen)

31.05.2015, Eberswalde
Vandalismus gegen politische Gegner
In der Nacht zum 31.05.2015 versuchen Unbekannte, die Eingangstür des Bürgerbüros der Partei Bündnis90/Die Grünen einzutreten. Die Tür wird hierbei beschädigt.
(Quelle: Bündnis 90/ Die Grünen, Polizeimeldung vom 9. Juni)

20.05.2015, Eberswalde
Fotografien und rassistischer Protest
Während einer antirassistischen Kundgebung vor dem Kreistagsgebäude stören der Bernauer NPD-Aktivist Andreas Rokohl, der von den Teilnehmer_innen Fotos macht, und ein weiterer Neonazi die Veranstaltung. Dieser trägt ein Affenkostüm und ein Schild mit der Aufschrift „Suche Wohnung“.
(Quelle: Vernetzung Barnimer Willkommensinitiativen)

19.05.2015, Eberswalde
Angriff mit Schreckschusspistole
Ein 34-jähriger greift einen 25-Jährigen Somalier mit einer Schreckschusspistole an. Der Betroffene wird nicht verletzt. Die Polizei findet in der Wohnung des Angreifers Munition, ein Elektroschockgerät, einen Schlagstock, Messer sowie geringe Mengen an Betäubungsmitteln.
(Quelle: Internetwache Brandenburg,)
Der Geflüchtete aus Somalia wurde beim Abstellen seines Fahrrades im Keller von einem Mann aus der Nachbarschaft aus einer Schreckschusspistole beschossen. Da er aus seinem Heimatland Beschuss mit scharfen Waffen kennt, fürchtete er, dass er erschossen würde. Für den Betroffenen ist sehr belastend, dass es bis jetzt – Oktober 2016 – zu keinem Gerichtsprozess deswegen kam.
(Quelle: Kontakt- und Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt Bernau)

16./17.05.2015, Eberswalde
Bedrohung
An der Hauswand eines linken Aktivisten wird ein Hakenkreuz geschmiert.
(Quelle: Anwohnier*in)

17.05.2015, Eberswalde
Denkmal für Amadeu Antonio beschädigt
Unbekannte beschmieren die Gedenktafel für Amadeu Antonio an der Eberswalder Straße mit schwarzer Farbe.
(Quelle: Märkische Oderzeitung/Barnim Echo)

11.05.2015, Panketal
Körperlicher Angriff
Ein Neonazi greift einen 13-jährigen Jugendlichen, den er zuvor beleidigt hatte, körperlich an.
(Quelle: Polizei Brandenburg)

09.05.2015, Panketal
Körperlicher Angriff
Ein Mann, der sich in Begleitung von zwei Frauen befindet, wird von mehreren Angreifern zunächst rassistisch beleidigt. Anschließend greifen die Täter die drei Betroffenen körperlich an.
(Quelle: Polizei Brandenburg)

08.05.2015, Bernau
Naziparolen geschmiert
Unbekannte sprühen ein Hakenkreuz auf das sowjetische Ehrenmal in der Mühlenstraße.
(Quelle: Polizei Brandenburg)
Außerdem werden Gräber neben dem sowjetischen Ehrenmal sowie das Deserteurdenkmal mit roter Farbe beschmiert und Flugblätter hinterlassen, die auf Nazis als Verfasser hinweisen. Offenbar soll dies das Gedenken zum 70. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus stören. Eine Firma beseitigte die Schmierereien direkt nach der kriminaltechnischen Erfassung, noch vor dem Gedenken.
Außerdem wurden auch in der Stadt neonazistische Plakate gegen den Tag der Befreiung geklebt. Plakate mit demselben Motiv waren auch in vergangen Jahren in der Nacht zum 8. Mai angebracht worden.
(Quelle: Kontakt- und Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt, Bernau)

07.05.2015, Bernau, Wandlitz
Sonstiger Vorfall
Beamte des Berliner Landeskriminalamts durchsuchen Wohnungen von Mitgliedern der rechtsradikalen Rap-Band „A3stus“, weil diese ein Lied mit volksverhetzendem Inhalt veröffentlichte. Die drei Beschuldigten sind 26, 28 und 34 Jahre alt. Neben 113 CDs und zwei PC-Towern werden auch Wurfmesser, ein nicht zugelassenes Luftdruckgewehr und eine nicht zugelassene Luftdruckpistole, verbotene Pyrotechnik sowie drei Ampullen mit Amphetaminen sichergestellt. Gegen den 34-Jährigen wird wegen der CD-Verkäufe und des Verdachts des Sozialleistungsbetruges ermittelt.
(Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung)

02.05.2015, Eberswalde
Sonstiger Vorfall
Eine „Reichsbürgerin“ leistet gegen eine polizeiliche Handlung Widerstand und bewirft die Beamt_innen mit einem Gegenstand.
(Quelle: Polizei Brandenburg)

Mai 2015, Bernau
Rassistische Plakate
Im Bereich der Straße Am Mahlbusen/Viehtrift hängen Unbekannte rassistische Anti-Asyl-Plakate auf.
(Quelle: Anwohner_in)

19.04.2015, Eberswalde
Beleidigung
Ein 23-jähriger syrischer Staatsbürger zeigt bei der Polizei an, dass er in der vergangenen Woche mehrmals rassistisch beleidigt wurde.
(Quelle: Polizei Brandenburg)

25.03.2015, Eberswalde
„Reichsbürgerlicher“ Widerstand gegen Beamte
Ein Rechter und sogenannter Reichsbürger widersetzt sich polizeilichen Maßnahmen und leistet aktiven Widerstand gegen die Beamten.
(Quelle: Polizei Brandenburg)

23.02.2015, Wandlitz OT Klosterfelde
Kinderwagen angezündet
Der Kinderwagen einer 22-jährigen Frau aus Libyen wurde im Keller eines Mehrfamilienhauses in Brand gesetzt. Die junge Mutter war erst wenige Tage zuvor mit ihrem Baby aus einem Übergangswohnheim nach Klosterfelde gezogen.
Der Brand breitete sich im Keller und im Treppenaufgang aus. Nur durch das Eingreifen eines anderen Mieters konnte ein Übergreifen des Brandes auf das Haus verhindert werden. Ein Mann erlitt Rauchgasvergiftungen und musste sich behandeln lassen.
(Quelle: Internetwache Brandenburg, Märkische Oderzeitung, Kontakt- und Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt Bernau)

18.01.2015, Eberswalde
Sonstiger Vorfall
Bei einer Kontrolle stellen Polizeibeamte bei einem Mann Betäubungsmittel und Bargeld in szenetypischer Stückelung fest, die auf einen Handel mit Betäubungsmittel hindeuten. Weiterhin befindet sich ein sogenannter „Reichsbürgerausweis“ im Besitz des 30-Jährigen mit welchem er sich auswies. Dieser wurde, wie auch die betäubungsmittelähnlichen Substanzen, sichergestellt und der Mann vorläufig festgenommen.
(Quelle: Polizeibericht, Internetwache Brandenburg)

07.01.2015, Bernau
Naziparolen und körperlicher Angriff
Eine Mann ruft „Sieg Heil!“ und wird durch eine weitere Person daraufhin angesprochen und kritisiert. Daraufhin greift der Mann die Person körperlich an. Die Polizei ermittelt einen Tatverdächtigen.
(Quelle: Polizei Brandenburg)

04.01.2015, Eberswalde
Rassistische Schmiererei
Am Wochenende wird an die Mensa und an die Bibliothek der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung mit weißer Lackfarbe und weithin sichtbar der Schriftzug „PEGIDA“ geschmiert.
(Quelle: Märkische Oderzeitung)

einige Fälle aus 2014

21.11.2014, Bernau
Körperlicher Angriff
Zwei Jugendliche mit dunkler Hautfarbe (15 und 18) werden am Busbahnhof von einem alkoholisierten Mann (31) mit einem Messer bedroht und verfolgt. Der Täter konnte ermittelt werden.
(Quelle: Polizeibericht im Barnim Echo/MOZ)
Im April 2016 erschien der Täter nicht zum Prozess vor Gericht und konnte nicht zugeführt werden. So kam es erst im November 2016 zum Prozess. Der Täter wurde zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung für die Dauer von 4 Jahren, außerdem zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit und mit der Auflage versehen, sich einer Alkoholtherapie zu unterziehen. (Quelle: Eigener Bericht)

12.11.2014, Bernau
Angriff auf Dosto
Versuchter Angriff auf den Jugendclub „Dosto“ durch lokale Neonazis der NPD, „Barnimer Freundschaft“ und „A3stus“. Die sieben Neonazis versuchen auf verschiedenen Wegen, sich Zugang zu den Räumlichkeiten zu verschaffen, werden aber durch die Sozialpädagog_innen davon abgehalten. Erst nachdem ihnen mit der Polizei gedroht wird, lassen sie von der Tür ab. Anschließend posieren sie vor dem Club und machen Fotos durch die Fenster.
(Quelle: bif e.V/ Jugendtreff DOSTO)

04.10.2014, Eberswalde
Naziparolen
Auf einem Spielplatz in der Robert-Koch-Straße spielen vier Personen lautstark Musik mit mutmaßlich rechten Inhalten ab. Eine Person schreitet ein, woraufhin es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommt, bei der das Abspielgerät beschädigt wird. Als die Polizei eintrifft, hat die Person den Ort bereits verlassen. Die Beamten treffen nur noch auf die drei Männer im Alter von 19, 26 und 31 Jahren sowie die 21-jährige Frau, und entdecken ein mit brennbarer Flüssigkeit in Sand gegossenes Hakenkreuz.
(Quelle: Internetwache Brandenburg)

18.09.2014, Bernau
Kundgebung gestört
Neonazis der „Barnimer Freundschaft“ und die Nazi-Hiphop-Kombo „A3stus“ stören eine Kundgebung des Bernauer Netzwerkes für Weltoffenheit. Das Netzwerk protestierte gegen eine Veranstaltung von Thilo Sarrazin in der Bernauer Stadthalle. Der NPD‘ler Andreas Rokohl versuchte die Teilnehmer_innen zu bedrohen und fotografierte diese.
(Quelle: Netzwerk für Weltoffenheit, Antifa Bernau)

20.08.2014, Wandlitz
Kundgebung/Demonstration
Die neonazistische NPD demonstriert am Bahnhof Wandlitzsee. Ihre Wahlkampfveranstaltung stand unter dem Motto „Landtagswahl 2014: Wir erhöhen die Sicherheit – Rot-Rot nur die Steuern!“
(Quelle: Runder Tisch Wandlitz)

26.07.2014, Schorfheide
Körperlicher Angriff
Eine Person wird aus rassistischen Motiven angegriffen. Nähere Angaben liegen bislang nicht vor.
(Quelle: Polizei, Opferperspektive)

25.07.2014, Wandlitz
Naziparolen gesprüht
In der Zeit vom 16.07.2014 bis 24.07.2014, malten Unbekannte auf die rückseitige Wand eines Bäckereigeschäftes am Markt ein Hakenkreuz von ca. ein mal ein Meter, mit schwarzer Farbe.
(Quelle: Polizei Brandenburg)

17.04.2014, Panketal
Körperlicher Angriff
Nachdem ein 17-Jähriger NPD-Wahlplakate abreißt, wird er von zwei Rechten aus Pinnow angehalten. Diese geben sich ihm gegenüber als Polizisten aus und verlangen seinen Personalausweis. Dann schlägt einer der Täter ihm ins Gesicht.
(Quelle: Gegenrede.info)

26.03.2014, Bernau
Körperlicher Angriff
Ein 17-Jähriger arabischer Herkunft wird in einer Jugendwohneinrichtung von einem 18-jährigen Bernauer rassistisch beleidigt, mit einem Messer beworfen und in ein Zimmer eingeschlossen. Gegen den einschlägig bekannten Täter wird drei Tage später vom zuständigen Amtsrichter Untersuchungshaft angeordnet.
(Quelle: Internetwache Brandenburg, MOZ)

Februar 2014, Bernau,
Körperlicher Angriff
Ein 47-jähriger Mann kenianischer Herkunft wird am Busbahnhof von einem Mann mit einer Bierflasche beworfen. Die Flasche verfehlt den Kopf nur knapp. Anschließend tritt der Täter gegen die Taschen des Mannes. Der Täter konnte ermittelt werden. (Bis Oktober 2016 gab es keinen Prozess gegen den Täter. Ein anberaumter Prozesstermin im Mai 2015 wurde verschoben.)
(Quelle: Polizeibericht / Barnim Echo)